Heiner Scholing MdL

Sprecher für Schulpolitik, Justizvollzug, Gedenkstätten, Religionspolitik

Rede Heiner Scholing: Antrag (SPD/GRÜNE) Mehrsprachigkeit fördern - Angebote an Niedersachsens Schulen ausbauen!

- Es gilt das gesprochene Wort -

Anrede,

heute bringt jedes vierte Kind in unsere Schulen einen Schatz mit, der der in immer mehr zusammenwachsenden Welt einen hohen Wert hat: Sie haben die Fähigkeit, sich neben Deutsch in einer weiteren Herkunftssprache auszudrücken.

Wir stehen keineswegs am Nullpunkt im Umgang mit dieser Ressource. Aber wir können besser werden.

Die Bedeutung erschließt sich nicht nur durch die Bedeutung der Zweisprachigkeit sondern auch aus der Bedeutung für den Spracherwerb insgesamt. Der Spracherwerb ist auch in der Herkunftssprache beim Eintritt in die Schule nicht abgeschlossen. Erst in der Schule erlernen die Kinder auch die Schriftsprache und erst in der Schule differenzieren sie ihre Sprachfähigkeiten aus und lernen fachsprachliche Begriffe.

Es reicht nicht aus, dass Kinder ihre Herkunftssprache von ihren Eltern erlernen. Schon in der Kindertagesstätte und dann in der Schule muss die Sprachentwicklung weiter gefördert werden.

Der Erlass  zur „Förderung von Bildungserfolg und Teilhabe von Schülerinnen und Schülern nicht - deutscher Herkunftssprache“ von 2014 stellt eine gute Grundlage für die Bearbeitung der Thematik dar. Wir sind der rot-grünen Landesregierung dankbar, dass sie diesen Erlass vorgelegt hat.

Wir müssen uns aber weiter darum kümmern, dass der herkunftssprachliche Unterricht den Stellenwert erhält, der ihm zusteht.  Es darf nicht sein, dass er häufig ausfällt mit der Begründung, dass kein Geld da sei, wie die Hannoversche Allgemeine gestern berichtet hat. Dieser Unterricht darf nicht nachrangig sein.

Und die Förderung der Herkunftssprache muss im Sekundarbereich fortgesetzt werden, denn hier wird auch die Fachsprachlichkeit ausgebildet.

Damit die Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund ihr Potential der Mehrsprachigkeit in ihrem weiteren Leben voll ausschöpfen können, wollen wir, dass die Herkunftssprachen in der Schule als zweite oder dritte Fremdsprachen neben dem Deutschen voll anerkannt, gefördert und dann auch zertifiziert werden, bis hin zur Berücksichtigung im Abitur.

Es reicht nicht, sie irgendwo am Rande, in AGs am Nachmittag anzubieten, sondern sie müssen ein vollwertiges Schulfach sein.

Nur so bekommen sie auch die notwendige Wertschätzung.

Ich freue mich über die große Zustimmung, die unser Antrag bereits im Vorfeld der heutigen Debatte gefunden hat.

Gelegentlich wird aber auch der Einwand vorgebracht, an erster Stelle müsse die Förderung der deutschen Sprache stehen.

Es ist richtig, dass die Beherrschung der deutschen Sprache eine Grundvoraussetzung ist, um am Leben in unserer Gesellschaft teilnehmen zu können. Selbstverständlich ist die Förderung der Sprachfähigkeiten im Deutschen in unseren Schulen unverzichtbar. Auf die zahlreichen Maßnahmen, die hier in den vergangenen Monaten ergriffen wurden, muss in diesem Zusammenhang verwiesen werden.

Aber die Förderung der Herkunftssprache und des Deutschen stehen gar nicht in Konkurrenz zueinander. Sondern das eine ist die Voraussetzung des anderen. Wer seine eigene Herkunftssprache nicht beherrscht wird große Schwierigkeiten haben, eine weitere Sprache erwerben.

Eine stärkere Förderung der Mehrsprachigkeit ist natürlich nur möglich, wenn wir auch die nötigen Lehrkräfte dafür haben. Wir müssen deshalb prüfen, welcher Ausbau der Studienangebote für herkunftssprachliche Fächer notwendig ist.

Auch hier sollten wir aber auch auf die Potentiale schauen, die wir schon haben, aber noch nicht genügend nutzen. Wir sollten deshalb zusehen, wo wir die Anerkennung ausländischer Lehramtsausbildungen vereinfachen können.

Der Ausbau der Angebote zur Förderung der Mehrsprachigkeit, wie wir ihn uns vorstellen, kann natürlich nicht von heute auf morgen geschehen. Wir sollten deshalb mit Modellprojekten beginnen. Aber dann sollten wir zügig damit beginnen, flächendeckend Angebote zu schaffen.

Um mit zwei Missverständnissen aufzuräumen: wir wollen keine Kitas, in denen nur die Herkunftssprache gesprochen wird. Hier sollten keine völlig überflüssigen Ängste erzeugt werden. Und wir wollen auch nicht, dass Abiturprüfungen in Zukunft in einer Herkunftssprache abgelegt werden kann. Aber die Herkunftssprache kann und sollte Teil des Abiturs werden.

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