Heiner Scholing MdL

Sprecher für Schulpolitik, Justizvollzug, Gedenkstätten, Religionspolitik

Rede Heiner Scholing: Antrag (SPD/GRÜNE) "Globales Lernen für die Zukunft Niedersachsens: Bildung für nachhaltige Entwicklung stärken"

- Es gilt das gesprochene Wort -

Anrede,

Kindergruppen, die in Waldpädagogikzentren wichtige Naturerfahrungen machen, Schülergruppen, die untersuchen, wie wir Plastik aus den Weltmeeren fernhalten können, eine berufsbildende Schule, die eine Solaraufladestation für E-Bikes baut, Schülerfirmen, die Catering mit regionalen Produkten betreiben, Schulimkereien, Schulgärten – natürlich voll Bio. NGOs, Verbände und Vereine, die als Externe unseren Unterricht bereichern können.

Niedersachsens Kitas, Niedersachsens Schulen und alle Bildungseinrichtungen sind auf einem guten Weg. Das bestätigt sich übrigens auch bei einem Gang über die Ideen Expo.

Bildung für nachhaltige Entwicklung und die Frage, wie Globalisierung gestaltet wird, ist ein zentrales Thema für unsere Schulen – bzw. für unser gesamtes Bildungssystem. Es geht darum, die jungen Menschen dazu zu befähigen, zum Schutz der Umwelt, für eine bestandsfähige Wirtschaft und eine gerechte Gesellschaft zu handeln. Lernen für die eigene Zukunft!

Grundlage sind der "Orientierungsrahmen für den Lernbereich Globale Entwicklung", verabschiedet von der Kultusministerkonferenz, sowie das Weltaktionsprogramm BNE, Start 2015.

Beide helfen längst dabei, Bildung für nachhaltige Entwicklung mit globaler Perspektive fest in Schule und Unterricht zu verankern.

Längst arbeiten Lernende und Lehrende mit diesem Angebot, nutzen die lebendige Ergänzung ihres Unterrichts und ihrer Projektwochen mit Hilfe Externer, die u.a. auch der Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen organisiert.

Sie können zurückgreifen auf die Ergebnisse aus der Projektphase „Globales Lernen“ in diesem Land und wir erwarten mit Spannung die Auswertung der zweiten Projektphase an den Grundschulen.

Unser Leben und die Suche nach Antworten auf die drängenden Fragen sind komplex. Schule und sämtliche Bildungs- und Ausbildungsinstitutionen sollen, so wird es formuliert, ganzheitliches Lernen und Lehren erfahren.

Kompetenzen werden gefördert, Problembewusstsein und Lösungsorientierung vermittelt.

Dies gelingt in einem Unterricht, der traditionelle Formen des fachorientierten Unterrichts deutlich erweitert:

- komplexe Erfahrungen sammeln Schülerinnen und Schüler am besten, wenn sie sich einer Fragestellung selbständig auseinandersetzen - z.B. im projektorientierten Unterricht

- Lehrkräfte können im Team zusammenarbeiten und stärken damit Lernen und Lehren mit Vielfalt

- außerschulische Partnerinnen und Partner sind Bereicherung für jeden Unterricht, , weil sie spezifische Kenntnisse einbringen

- didaktische und methodische Herausforderung sind Handlungs- und Lösungsorientierung

Niedersachsen hat ein Netz von 59 außerschulischen Lernorten. Fast 300.000 Schülerinnen, Schüler, Lehrkräfte und weitere Teilnehmende haben von diesen Lernorten profitiert.

Im Fokus stehen dabei Themen wie Umwelt- und Ressourcenschutz, Artenvielfalt, Klimawandel, Landwirtschaft und Ernährung, Mobilität, Migration, Fluchtursachen und Globale Gerechtigkeit. 

Hinzu kommen mehr als 800 Schülerfirmen, die ein ganzheitliches Lernen befördern.

Dieses Netz wollen wir mit unserem Antrag stärken und weiter ausbauen, aber auch die Frage nicht aus den Augen verlieren, was gute Schule ausmacht und wie wir sie gestalten können.

Auch soll das Angebot an Plätzen für das Freiwillige Ökologische und Soziale Jahr dauerhaft gesichert und weiter ausgebaut werden.

Die anerkannten außerschulischen Lernstandorte und die Regionalen Umweltbildungszentren sollen gestärkt werden, indem mehr pädagogische Fachstunden abgeordnet und Qualifizierungsmaßnahmen durchgeführt werden. Es soll geprüft werden, ob weitere Informations- und Besucherzentren in Schutzgebieten und Nationalparks als außerschulische Lernorte anerkannt und gefördert werden können.

Bildung für nachhaltige Entwicklung soll in den Curricula von natur- und gesellschaftswissenschaftlichen Fächern aller Schulformen und Altersklassen verankert und dabei handlungs-, lösungsorientierte und fächerübergreifende Konzepte gefördert werden.

Ganz wichtig: Die Stärkung des Eine-Welt-Promotorenprogramms.

854 Abordnungsstunden stehen heute für den Einsatz in außerschulischen Lernstandorten BNE zur Verfügung. Weitere Stunden kommen hinzu für Umweltschulen, für UNESCO-Projektschulen, für Europaschulen.

Angesichts der großen Bedeutung der Bildung für nachhaltige Entwicklung muss die Zahl dieser Stunden gesichert und weiter erhöht werden.

Ich bedauere es deshalb außerordentlich, dass die CDU und ihr ehemaliger Kultusminister Herr Althusmann diese Abordnungsstunden jetzt im Wahlkampf offenkundig in Frage stellt.

So heißt es im jüngst verabschiedeten CDU-Bildungspapier: „Alle Lehrerstunden, die nicht unmittelbar dem Unterricht zugutekommen, müssen wir auf den Prüfstand stellen.“

Und der CDU-Kandidat Althusmann hat schon im September 2016 gegenüber der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung erklärt: „Wir haben derzeit viele Anrechnungsstunden im Schulalltag, also eine Reduzierung der Unterrichtsverpflichtung im Gegenzug für grundsätzlich sinnvolle Projekte. Darauf zu verzichten würde wehtun, aber die Unterrichtsversorgung muss vorgehen.“

Ich würde es sehr begrüßen, wenn die CDU jetzt diese Ankündigungen konkretisieren und klar benennen würde, an welchen Stellen sie Anrechnungs- und Abordnungsstunden streichen will.

Auch die CDU muss jetzt Farbe bekennen, was ihr die Bildung für nachhaltige Entwicklung wert ist.

Denn Schule ist heutzutage weit mehr als sich im herkömmlichen Unterrichtsstunden. Schule ist heute ein ganzheitliches Lernen weit über die Unterrichtsstunden und den Lernort Schule hinaus. Und Schule muss, und sie wird sich weiterentwickeln.

 

 



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